| Werra war da |
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Alle Jahre wieder bekommen die Anwohner des Flüsschens Werra Besuch. Sie schickt ihr Wasser zunächst auf die angrenzenden Wiesen, dann über die Straßen bis in die Gärten und Keller. Zuweilen gerne auch mal ins Erdgeschoss. Das macht die Gesichter lang.
Für einige Tage rücken die Menschen, die in Ufernähe wohnen, zusammen. Beispielsweise in Bad Salzungen. Durch das mehr als Knie-hohe Wasser holt sie ein Feuerwehrauto in die Zivilisation. Zu Stosszeiten drängen sich mehr Leute in den LKW als Sitzplätze vorhanden sind. Das sorgt für Spass und besseres kennen lernen. Was treibt die Werra zu solch ungebetenen Besuchen? Nur die Schneeschmelze in den Höhenlagen des Thüringer Waldes? Nur starker Regenfall? Oder sind es auch die menschliche Flächennutzung (Versiegelung der Landschaft) und der nicht sachgerechte Ausbau der Gewässer (lineare Regulierung, Verminderung der Retentionsräume), die verschärfend auf Hochwasserstände wirken? Der Beitrag der eh umstrittenen globalen Erwärmung ist nicht wirklich wissenschaftlich belegt. ![]() Im Vergleich zu anderen ungern gesehenen Gästen fielen Werras Besuche bislang indes harmlos aus. Die Elbkatastrophe im Jahr 2002 erwies sich als Jahrtausend-Hochwasser und wird es hoffentlich auch bleiben. In Bangladesch am Mündungsdelta des Ganges kommt es gar häufiger zu humanitären Katastrophen mit vielen tausend Toten. Überhaupt sind heute im Vergleich zu früheren Jahrhunderten Überflutungen viel seltener, in ihren Auswirkungen dann aber oft katastrophal, oder bekommen mehr Aufmerksamkeit, da im Zuge der fortschreitenden Landnutzung immer größere Flächen bebaut wurden, die Hochwassergefahren ausgesetzt sind. Ob es für die Anwohner von Mühl- und Weinberg im thüringischen Bad Salzungen angenehmer ist, wenn Werra überraschend im Garten auftaucht oder die Schwiegermutter an der Tür klingelt, bleibt von Fall zu Fall verschieden. Jo. |
| Foto: JJ |
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