| Zu flink, um erwischt zu werden |
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Als ich Bärbel, Jochen, und ihre Hunde besuche, melden sich zuerst die Pulis. Die zotteligen Kerle bellen los und hören so schnell nicht auf. Typisch für die Rasse. Genauso indes sind sie „kinderfreundlich, verspielt, sehr gelehrig und überaus treu“, beschreibt die Züchterin Bärbel Kloss aus Sachsen-Anhalt ihre kleinen Gefährten. Wie der deutlich größere ungarische Hirtenhund, der Komondor, ist der ungarische Hütehund, der Puli, eine Urrasse, laut der ersten Ausgrabungen mindestens 6000 Jahre alt.
Wenngleich die wuseligen Gesellen gerade mal 36 Zentimeter (Weibchen) oder 45 Zentimeter (Rüde) hoch werden, halten sie doch locker eine große Schaf- oder Rinderherde zusammen. Mich wundert das nicht. Sofort nachdem ich das von ihnen verwaltete Grundstück betrete, baut sich Pulimädchen Fiona unerschrocken vor mir auf, bellt und klärt damit erst mal die Fronten. Bärbel Kloss erzählt später, dass die schwarzgelockte Hundedame die Herrschaft über den Hof übernommen hat. ![]() „Sie stolziert selbstbewusst, mit hochgeringeltem Schwanz über das Grundstück und ist die Erste am Futternapf, holt sich die größten Fleischbrocken“, plaudert die erfahrene Hundehalterin aus dem Nähkästchen ihrer Erfahrung: „Die Komondore werden weggeknurrt. Da ein Puli kein ebenbürtiger Gegner für sie ist, gab es noch nie Züchtigungen dafür. Deswegen konnte diese kleine Teufelin ihre Unarten festigen.“ Die zotteligen Vierbeiner machen zwar keine langen, raumgreifenden Schritte, galoppieren dafür flink und rasch davon, „dreimal schneller, als der Komondor reagieren kann“, beschreibt Bärbel das Dilemma des übermächtig scheinenden Königs der Hirtenhunde gegenüber dem Mitbewohner. Frisurtechnisch liegen die beiden Hunderassen dicht beieinander. Mit ihren Rasta-Locken scheinen sie gerade aus einem jamaikanischen Reggaelokal getrottet zu kommen. Das verfilzte Fell schützt die Hunde bestens gegen feindliche Bisse. Musste es auch. Immerhin hielten die Pulis über Jahrtausende in der ungarischen Puszta die Viehherden beisammen. Während der große Bruder Komondor bei Nacht und Nebel Bären, Wölfe und Diebe fern hielt. Ideal harmonierende Arbeitskollegen also. ![]() Bärbel Kloss hat weder Schafe noch Kühe hinterm Haus zu hüten. Dennoch lobt sie die nützlichen Eigenschaften beispielsweise von Puli-Rüde Ditsch in höchsten Tönen: „Er ist anhänglich und treu, erkennt Leute, die uns nichts Gutes wollen sofort und knurrt sie leise und verhalten an. Er liebt es, mir überallhin zu folgen. Auch ein Bad- oder Toilettengang ist ohne ihn fast undenkbar. Trotzdem weiß Ditsch ganz genau, dass er diesen Zirkus nicht veranstalten kann, wenn ich auf Arbeit muss. Dann liegt er ruhig an der Eingangstür und wartet, bis jemand nach Hause kommt. Seine Wiedersehensfreude ist jedes Mal überschwänglich.“ In der guten, alten Puszta- Zeit wurde der Puli als vollwertiges Familienmitglied betrachtet und gehalten. Deshalb wurde ihm auch die Ehre zuteil, als geschätzte Arbeitskraft rechts neben seinem Herren beerdigt zu werden. Das war damals eine große Ehre und Anerkennung. Heutzutage und hierzulande erfahren die quicklebendigen Tiere andere Ehren: Sie werden Champions auf Ausstellungen oder halten große, dicke Männer vom Grundstück und einen der stärksten Hunderassen vom Fressnapf fern. Jo. Weitere Informationen: http://www.komondor-zwinger.de/1.html oder http://burgseekurier.de/ausgabe_6/html/artikel_13.htm |
| Foto: privat |
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