Titelseite Titelstory Aktuelles Ratgeber Leserbriefe Das Team Kontakt

Circus von und Zirkus um Britney Spears
Bild wird geladen... Das erste Album von Britney Spears erschien vor zehn Jahren. Irgendwie ein Jubiläum also. Und irgendwie auch ein Fingerzeig, dass die Amerikanerin weder eine Eintagsfliege, noch einfach nur die sexy Blonde ist. Immerhin war sie, zumindest musikalisch, in dem Jahrzehnt nie gänzlich abgetaucht. Sie verkaufte 83 Millionen Alben und 78 Millionen Singles, ist unter den Top10 der amerikanischen Sängerinnen aller Zeiten.

Für mich war sie vom ersten Ton an ein außerordentlich hübsches Mädchen mit einer überraschend starken Stimme. Sie mag nicht die Trendsetzerin wie Madonna sein, auch nicht das sympathische Energiebündel wie Kylie Minogue, in ihren Blicken schlummern nicht die selben Vulkane wie in den Augenaufschlägen von Shakira und für die menschliche Faszination einer Tina Turner fehlen wohl auch mehr als die Jahrzehnte, die zwischen den beiden liegen. Dennoch nehme ich Britney als besonders wahr. Über das, was eine Sängerin ausmacht – die Stimme, die Ausstrahlung, die Performance.

Ihre privaten Wirrungen gehen uns alle wenig an an. Klar hat sie eine schwindelerregende Achterbahnfahrt hingelegt, klar war sie dadurch zeitweise wohl nicht die Vorbildmutter. Erstens aber erfahren wir über die Medien nur das, wovon sich die Papparazzi und Boulevardredakteure Auflage und schnelles Geld versprechen und zweitens hat jeder Mensch seine eigene Tür und den eigenen Besen.

Bild wird geladen...

Vielleicht hatten die Experten unter den Lästerjournalisten gar Recht, als sie feststellten, dass der Intelligenzquotient von Britney deutlich unter dem von beispielsweise Madonna und Shakira läge. Selbst wenn das stimmt, werden Showqualitäten, werden menschliche Qualitäten an Zahlen gemessen? Sängerinnen am IQ und Medien am Profit? Oder doch erstere an verkauften Alben und letztere an der Summe der Falschmeldungen?

Vielleicht hat ihre aktuelle Scheibe „Circus“ diesbezüglich Symbolcharakter. Der lächerlichste aller Zirkusse findet fernab der Manege statt und die wahren Clowns tragen keine Pappnasen und viel zu großen Schuhe. Sie lauern in Hecken und hinter Fenstern und warten auf die Peinlichkeiten von Menschen, denen sie nicht das Wasser reichen können. Das wahre Zirkuspublikum applaudiert ihnen am Zeitungskiosk und vor der Glotze.

So oder so, die US-amerikanische Popprinzessin wird langsam aber sicher, spätestens jetzt, da ihre Erfolge in Jahrzehnten gemessen werden, zur Königin. Ihre Musik, ihre Bühnenpräsenz reißen immer noch und immer wieder mit. Aus dem Herzen gesehen bleibt zu hoffen, dass sie sich auch menschlich gefangen hat und zu ebensolcher Hochform aufläuft wie musikalisch. Ein Schelm, der böses hofft.

Jo

Fotos: Sony BMG

zurück
Impressum