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Hartz IV und Menschenwürde
Bei welcher Gelegenheit hatte Peter Hartz nur diese Idee? Unterstellen wir ihm einfach mal: Gut gemeint. Und ziehen ein altes chinesisches Sprichwort heran, das da sagt „Gut ist das Gegenteil von gut gemeint!“

In der Agentur

Die Frau am Tresen hat wohl schlecht geschlafen. Vielleicht schläft sie auch immer schlecht. Unwirsch gibt sie knapp Auskunft und bittet in die Warteecke. Da sitzen schon einige Erfahrene und schimpfen übers Amt und lästern über ihre Leidensgenossen. Die junge, blonde Sachbearbeiterin ist schon deutlich freundlicher. Oder einfach nur hübscher? Wie auch immer. Selbst ihr rutschen Sätze raus wie: „Wenn Ihnen die Leistung genehmigt wird ... „

Was wäre, wenn nicht? Ohne dieses eh schon mehr als knapp bemessene Almosen ALG2 ginge ja gar nichts mehr. Keine Miete, keine 4,20 Euro pro Tag für Lebensmittel. Nichts. Luft und Liebe (wenn man einen Hund hat).

Warum

Warum also sagt die an sich sympathisch wirkende Mitarbeiterin in einem hoch bürokratischen Haus so einen Satz? Muss sie das? Einfach nur weil theoretisch die Möglichkeit besteht, dass auch Menschen aus Jux und Dollerei Hartz IV beantragen, denen es nicht zusteht?

Wie auch immer, irgendwann gibt’s zig Formulare mit dem Hinweis, dass zig Nachweise dazu kommen müssen. Ein Tieflader wäre angebracht, wenigstens ein Pickup. Fragen werden gestellt, die ein Mensch in einem normalen Umfeld, wo nach den unbeschriebenen Gesetzen des Anstandes und der Diskretion gelebt wird, nie stellen würde. Alleine aus Taktgefühl.

Warum auch immer

Warum auch immer das ganze Prozedere so abläuft, ob wirklich Missbrauch vorgebeugt werden muss, ob man wirklich hart erarbeitete Steuergelder nicht ungeprüft verschwenden sollte ... Mag alles sein. Nur: Nach meinem persönlichen Empfinden ist es unwürdig. Genauso unwürdig, wie nach einem harten Arbeitstag mit so wenig Lohn nach Hause gehen zu müssen, dass es nicht zum Leben reicht und man sich den Weg zum Amt mit nochmaliger Demütigung nicht sparen kann.

Schieflage

Da ist wohl die bürokratische, deutsche Welt in Schieflage geraten. Irgendwann schrieben Menschen ins Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ Und nun? Irgendwann galt unser Land als reich. Und nun? Ist es so schwierig, alle in sinnvolle und respektvoll bezahlte Jobs zu bringen? Ist es wirkliche besser, einen gigantischen, unsensiblen Verwaltungsapparat damit zu beschäftigen, Beschäftigungslosigkeit zu verwalten?

Zur Erinnerung

Artikel 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Jörg Joachim


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